Weithin übers land erstrahlt die mit neuem Kupferblech eingedeckte Zwiebel der St.-Laurentius-Kirche in Unterneuhausen
„Die Mitglieder der Kirchenverwaltung sind sich ihres Kirchenschatzes bewusst und hüten ihn mit großer Umsicht und Verantwortung wie ihren eigenen Augenapfel. Dem bereits verstorbenen Kirchenpfleger Siegfried Scharf sowie seinem Nachfolger, Georg Kindsmüller aus dem unmittelbaren Nachbarhof der Pfarrkirche, war und ist die Pflege und Erhaltung der St.-Laurentius-Kirche eine ehrenvolle Aufgabe“, weiß Diakon Reinhold Lechinger voll Freude zu berichten.
Temperamentvoll, wie ihn seine Schäflein zu schätzen wissen, fährt er fort: „Pfarrer Johann Kramer konnte im vergangenen Jahr vor seiner dann unmittelbar folgenden Pensionierung seine letzte große Baumaßnahme, die Turmrenovierung, noch sehr gut auf den Weg bringen. Für den neuen Pfarrer, Dr. Bogdan Bogdanowski, wurde es freilich gleich ein arbeitsreicher Anfang, wenngleich er auch auf gut geleistete Vorarbeit anknüpfen konnte.“
Nötige Maßnahmen: Witterungsbedingte Schäden im Außenbereich waren auszubessern und altersbedingte Erneuerungen im Inneren waren notwendig geworden. Außen bröckelte der Putz, was für vorbeigehende Leute nicht ungefährlich war. An den Zifferblättern der Turmuhr blätterte ebenfalls die Farbe schon ab. Und schließlich konnte man die Sicherheit des hölzernen Glockenstuhls der vier Glocken auch nicht mehr gewährleisten. „Darüber war man auch von Seiten der Diözese schnell für einen Neubau des Glockenstuhls, ging es doch um ein Gesamtgewicht von fast 57 Zentnern, verteilt auf die vier Glocken. Alles zusammengenommen bahnte sich eine Kostenrechnung von fast 350000 Euro an“, berichtete der Diakon.
Im Zuge der Maßnahme musste auch das vergoldete Turmkreuz restauriert werden, das seit längerer Zeit schon etwas schief in seiner Verankerung stand. Da zudem der Kupfermantel der Turmhaube erneuert werden sollte, nahmen ihn Architektin Elisabeth Diewald vom Architekturbüro Brandstetter und Kirchenpfleger Kindsmüller genauer in Augenschein und erlebten eine böse Überraschung: Kaum war das Kupferblech an einer Stelle etwas aufgebogen, ermöglichte die Öffnung einen Blick auf den hölzernen Dachstuhl der Zwiebel. Die Spanten, die die Wölbung der Zwiebel ausmachen, hatten zu 80 Prozent keine Verbindung mehr zu den Trägerbalken. Ihre Spitzen waren abgefault oder total morsch. Aus den dicken Balken des Sockels ließ sich Holzabfall mit der Hand herausschürfen. „Nur das Blech hielt alles noch zusammen“, blickt Lechinger mit leichtem Schaudern zurück.
Aus dem Schadensbild und den möglichen Folgen zog der Bauherr gleich noch eine weitere Konsequenz: „Man konnte die Schäden erst nach dem Entfernen des Kupferbleches entdecken, weil vom Turm her kein Zugang zur Kuppel bestand. In Zukunft sind solche Überraschungen ausgeschlossen, denn man kann jetzt durch die Kirchturmdecke mittels einer Holzleiter in die Zwiebel hineinkommen“, zeigte sich der Diakon erleichtert.
Die unliebsame Überraschung und die daraus resultierende zusätzliche Renovierungsmaßnahme brachten den vorgesehenen Zeit- und Kostenplan gehörig durcheinander. Dazu kamen dann auch noch ungünstige Witterungsverhältnisse im Winterhalbjahr, die die anstehenden Arbeiten immer wieder behinderten oder dafür sorgten, dass sie verschoben werden mussten. Und so war es allen Pfarrmitgliedern nach gelungener Renovierung eine große Freude, den Stundenschlag und das Geläute der Glocken dreimal am Tag und zu den Gottesdiensten wieder zu hören. Schließlich gehört dies zum Leben in Unterneuhausen.
