Priesterjubiläum Pfarrer Kramer
Am Sonntag hatte sich Stollnried/Zell gerüstet, um mit drei Pfarreien ein seltenes Fest zu begehen: Pfarrer Johann Kramer konnte das Goldene Priesterjubiläum feiern. Vor dem Festgottesdienst in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt trafen sich die Vereine, Gemeinderäte, Bürgermeister und viele Freunde aus den Pfarreien Obersüßbach, Weihmichl und Unterneuhausen im Anwesen Kratzer, um Pfarrer Johann Kramer abzuholen. Der Kinderchor aus Obersüßbach begrüßte seinen langjährigen Pfarrer mit einem Ständchen und der Kirchenchor Obersüßbach ließ seine Stimmen zu Ehren des Jubilars erschallen.
Zu diesem besonderen Festtag waren sein Nachfolger in Obersüßbach Pfarrer Bogdan Bogdanowski, Diakon Reinhold Lechinger, Regionaldekan Josef Thalhammer und Dekan Anton Högner nach Stollnried gekommen, um gemeinsam mit Pfarrer Kramer den Dankgottesdienst zu feiern. Als besondere Überraschung für Pfarrer Kramer hatte man die damalige Primizbraut Anna Zimmermann eingeladen: Die Wiedersehensfreude war groß, lagen doch 50 Jahre zwischen dem letzten denkwürdigen Treffen bei der Priesterweihe! Eine feierliche Stimmung breitete sich in der Wallfahrtskirche aus, als der Rhythmus-Chor Neuhausen unter der Leitung von Anita Riederer die eigens zu diesem Anlass einstudierte Messe "Missa in honorem sancti spiritus" von J. Singenberger erklingen ließ. In der Predigt zeichnete Regionaldekan Josef Thalhammer den Lebenslauf von Pfarrer Kramer nach: 1949 stand für ihn fest, dass er sein Leben künftig Gott weihen will und so wurde Johann Kramer am 29. Juni 1960 im Hohen Dom zu Regensburg zum Priester geweiht. Und heute nach 50 Jahren hat Pfarrer Johann Kramer tiefe Spuren seines Wirkens hinterlassen: Spuren, die äußerlich nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, aber den Menschen, denen er im Laufe der Jahre begegnet ist, ist klar: Pfarrer Kramer wollte etwas Bleibendes hinterlassen, so wie ein Fußabdruck zeigt, dass da jemand war. In seiner Aufgabe als Priester hat er die Spuren Gottes hinterlassen, er ist dem Ruf Gottes gefolgt, seine Sendung - die Spur Gottes - in dieser Welt fortzusetzen. Pfarrer Kramer hat 50 Jahre versucht, in die Fußstapfen Gottes zu treten und seinen Weg weiterzugehen. Und das hat er mit enormem Einsatz so viele Jahrzehnte getan. Er zeigte den Menschen auf: "Glaubt an Gott, vertraut auf ihn und es wird weitergehen!" Den Gläubigen in seinen drei Pfarreien war er Zeit ihres Lebens ein Begleiter in wichtigen Stationen wie bei der Taufe, Kommunion, Eheschließung und schließlich beim letzten Gang: der Beerdigung.
Nach dem Gottesdienst folgten Grußworte von den Kirchenpflegern bzw. Pfarrgemeinderatssprechern: Aus Stollnried von Jakob Emslander, der dieses Fest organisiert hatte, aus Neuhausen von Georg Kindsmüller, aus Weihmichl von Johann Weinzierl und aus Obersüßbach von Hubert Hornung. Sie dankten Pfarrer Kramer für seinen hohen Einsatz über so viele Jahrzehnte, in denen er nie müde wurde, ein gewissenhafter, aber auch humorvoller Diener Gottes zu sein. Er steht für das Einfache im Leben, dem die Natur - und vor allem seine Tiere - wichtig sind. Werte will er aufrechterhalten: wie sonst kann man einer Berufung ein Leben lang so einsatzfreudig treu bleiben?
In den Dankesworten wurden u.a. als herausragende Projekte die Gründung der ambulanten Krankenpflegestation St. Elisabeth 1990 in Obersüßbach genannt , die Renovierungen der Filialkirchen und in Weihmichl der Kauf einer neuen Orgel. Geradlinig verfolgte er Ziele, die ihm für das Allgemeinwohl wichtig erschienen und setzte diese auch durch, Neuerungen schreckten ihn nicht ab. Gerne würde man Pfarrer Kramer heute an seinem Ehrentag als Zeichen des Dankes "auf Händen tragen", da das nicht geht, wurde er mit einem "Papa mobil" zur Wallfahrtskirche gefahren.
Der Bürgermeister der Gemeinde Weihmichl, Sebastian Satzl, schloss sich den Dankesworten an: "In einer Zeit, in der Religion nicht immer Hochkonjunktur hat, predigte Pfarrer Kramer unverdrossen Gottes Wort: Keine leichte Aufgabe in unserer heutigen Zeit, in der die Religion so viele Wettbewerber hat. Pfarrer Kramer steht für seine Überzeugung ein, redet niemand nach dem Mund und orientiert sich an der Wahrheit, mag sie populär sein oder nicht. Geistiges Brot ist zum unerschwinglichen Luxusgut geworden und die hauptberuflichen Mitarbeiter im Weinberg des Herrn werden von Erfolgserlebnissen nicht gerade verwöhnt. Unter diesen Umständen Pfarrer zu sein, ist keine leichte Aufgabe: Optimistisch, stets unverdrossen und konsequent im Handeln ging er immer seinen Weg. Dafür gebührt ihm der Menschen Dank und Gottes Lohn!
Bürgermeister Alfons Satzl aus Obersüßbach beschrieb ihn so: " 50 Priesterjahre hat Pfarrer Kramer mit Bravour gemeistert, ein äußerst engagierter Mitarbeiter Gottes wurde nie müde, den Glauben an Gott zu erklären, weiterzugeben und aufzuzeigen, wieviel einem jeden von uns der Glaube gibt. Voller Optimismus hörte man ihn in entscheidenden Situationen - typisch für ihn - sagen: "Da Herrgott werd´s scho richtn, es werd scho irgendwia geh, es kimmt, wia´s kemma muaß...." Diese wenigen Worte bringen es auf den Punkt, wie groß sein Gottvertrauen ist. Seine Demut und Bescheidenheit machten sein unvergleichliches Wesen aus. Mit einem großen Vergelt´s Gott für all das Geleistete bedankte sich Bürgermeister Satzl im Namen seiner Gemeinde bei ihrem Ehrenbürger Pfarrer Johann Kramer für 42 Jahre Seelsorge in Obersüßbach und wünschte noch viele schöne Jahre im Ruhestand.
Als Dank überreichten die beiden Bürgermeister an Pfarrer Kramer eine übergroße Kerze.
Nach dem Gottesdienst gaben sich die Jagdhornbläser Obermünchen die Ehre, der Stollnrieder Frauenchor brachte seinem ehemaligen Pfarrer ein Ständchen und der Spielmannszug Weihmichl ließ weithin hören, dass heute ein ganz besonderes Fest in Stollnried gefeiert wird.
Lebenslauf von Pfarrer Johann Kramer:
Pfarrer Kramer wurde am 6. Mai 1929 in Stuben/Böhmerwald geboren und wurde 1946 nach dem 2. Weltkrieg aus seiner Heimat vertrieben. So verdingte er sich bis 1949 in der Pfarrei Binabiburg als landwirtschaftlicher Arbeiter, bis er 1949 den Entschluss fasste, Priester zu werden. Er holte da Abitur in Fockenfeld nach und absolvierte das Theologiestudium in Regensburg. Am 29. Juni 1960 wurde Pfarrer Johann Kramer im Hohen Dom zu Regensburg durch den damaligen Erzbischof Dr. Buchberger zum Priester geweiht. Dass sein damals öffentlich gegebenes "Adsum", also seine Bereit-schaft zum immerwährenden Dienst in der Kirche für einen über fünf Jahrzehnte dauernden Zeitraum gelten sollte, ahnte er damals noch nicht. Nach der Priesterweihe 1960 war er einige Monate als Aushilfe in Egglkofen, dann 4 Jahre als Kooperator in Pürkwang und 1,5 Jahre als Kaplan in Eggenfelden tätig, bis Bischof Rudolf Graber ihm ab 1. August 1967 die Pfarrei Obersüßbach übertragen hat, wo er bis zu seiner Pensionierung am 1. September 2009 blieb. Zusätzlich betreute er ab 1. März 1974 die Pfarrei Weihmichl und außerdem vom 1. November 1968 bis 31. Juli 1969 und dann wieder ab 1. September 1991 bis 31. August 2009 auch die Pfarrei Neuhausen.
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