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Neujahreskonzert 2011

Sternstunde der Chormusik erlebt – St. Laurentius-Kirche als Konzertort etabliert
Die Großstädte haben die Kultur, und die Provinz hat die gute Luft. Diese Einschätzung – man könnte sie auch als Vorurteil bezeichnen – ist sich weit verbreitet. Zwar erhält sie durchaus auch ein Fünkchen Wahrheit, Die ganze Wahrheit vermittelt sie jedoch ganz sicher nicht.
Zumindest für die Gemeinde Weihmichl kann diese (Binsen-) Weisheit seit Jahren keine Gültigkeit mehr beanspruchen. Denn seit geraumer Zeit findet die Kultur hier in einer Form und Intensität statt, die so manchen weit größeren Ort erblassen lässt. Der Kulturausschuss mit Bürgermeister Sebastian Satzl an der Spitze hat die Tradition fortgesetzt, anspruchsvolle und hochklassige Konzertmusik „zu uns auf`s Land zu holen.“ Und diesmal gastierte der oberbayerische, international bekannte, Tölzer Knabenchor und seinen Solisten unter der Leitung von Ralf Ludewig, dezent und stimmungsvoll, dabei stets überzeugend begleitet von Clemens Haudum an Klavier und Akkordeon. Und so erlebten die Besucher des restlos ausverkauften Konzerts eine wahre Sternstunde der Chormusik, wobei sich die St. Laurentius-Kirche als Konzertort dank seiner Akustik als etabliert erwies.
Der Chor betrat souverän, diszipliniert und festlich gekleidet den Altarraum und zog das Publikum von Anfang an in seinen Bann. Im ersten Teil des Programms kamen unter anderem Werke von Haydn, Cannicciari, Bartholdy und Rossini zu gehör, wobei man von der stimmlichen und musikalischen Qualität und von dem Geist, der diese Organisation beseelt, aufs tiefste beeindruckt war.
Nach einer kurzen Pause präsentierten sich die jungen Sänger in volkstümlicher Kleidung mit Lederhose, Hemd und Janker, denn im Mittelpunkt standen Volkslieder sowie Auszüge aus der „Alpenländischen Weihnacht“, die einfache Hirtengesänge und weihnachtliche Volksweisen aus der bayerisch/österreichischen Region umfasste. Es war in seiner volkstümlich ursprünglichen Form erhalten, also frei von dem, was wir heute als übersüßlichen Kitsch empfinden könnten. Dem Zuhörer entstand das Bild vor Augen, er wurde Teil der Geschichte. Er war fern ab von dem Gedanken, in einem Konzert zu sein. Die Tölzer Knaben servierten hier sowie auch im ersten Teil des Konzerts, dem Publikum ein harmonisches Klangbad, angefangen vom leisesten Pianissimo bis hin zum strahlenden, kräfti9gen Forte, getragen vom herrlichen Timbre der jungen Sänger. Die hohe Klangkultur zeichnete den Chor dabei ebenso aus wie die deutliche Artikulation, Textverständlichkeit und beeindruckende Bühnenpräsenz. Man konnte mit Fug und Recht feststellen, dass dieses Ensemble nicht nur in die 1. Liga, sonder schlicht und einfach zur Champions League der Chöre zählt. Nicht von ungefähr hatte Herbert von Karajan einst festgestellt, dass er diesen „Chor als einen der besten der ganzen Welt schätzen gelernt habe“. Zum Schluss legte der Chor noch eine Zugabe obenauf und mit einem emotional ergreifenden Andachtsjodler, stehenden Ovationen und verdientem Beifall endete die lieb gewordene Tradition des Weihmichler Neujahrskonzerts.
Stellvertretender Bürgermeister Bernhard Ostermeyr konnte eingangs unter den Ehrengästen Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein, stellvertretenden Landrat Peter Dreier, Bürgermeister der Nachbargemeinden, den ehemaligen Weihmichler Bürgermeister Johann Leipold sowie die Ehrenbürger Jakob Emslander und Anton Hopfensperger willkommen heißen.